Wunder

Jeder Tag ist ein Tag, an dem ein Wunder geschehen kann. Wir müssen nur daran glauben. Weihnachten soll uns jedes Jahr wieder daran erinnern.

Elke wollte gerade zur Tür hinaus, als sie den Brief sah. Sie war auf dem Weg zu Lena, dem kleinen vergesslichen Ding, die gestern ihr selbst gebasteltes Lebkuchenhäuschen im Kindergarten vergessen hatte. Hatte sie nicht sogar gesagt, es wäre das Geschenk für ihren Vater? Da sich Elkes Weihnachtsvorbereitungen in einem sehr engen Rahmen bewegten, hatte sie noch genügend Zeit, um es ihr vorbei zu bringen. Doch in diesem Moment hatte sie Lena völlig vergessen, sie starrte verwirrt auf den Umschlag in ihrer Hand. Der Brief war von ihrem Mobilfunkunternehmen. Hastig riss sie den Umschlag auf. Es war eine Entschuldigung. Ja, eine Entschuldigung, sie konnte es gar nicht glauben. Die letzten Tage hatte es Störungen gegeben und deshalb konnten einige Anrufe nicht zu ihr durchgestellt werden. Ihr blieb der Mund offen stehen. Dass die Sache mit ihren Bankdaten auch nur ein Versehen gewesen war und sie wegen des unnötigen Ärgers zwei Freimonate bekommen sollte, überflog sie nur schnell. Ihr war ein Gedanke gekommen. Wenn ihr Handy Störungen gehabt hatte, waren möglicherweise auch die Anrufe von Herr Hoffnung nicht durchgestellt worden..

Ach, was brachte das jetzt noch, die Sache war einfach gegessen. An der Tatsache, dass er nicht aufgetaucht war, gab es nichts zu rütteln. Er hätte sich ja schließlich noch bei ihr daheim melden können. Warum sollte sie sich jetzt nochmal melden, nur um zu erfahren, dass er sie tatsächlich versetzt hatte? Sie wischte die ärgerlichen Gedanken beiseite und schnappte sich das Lebkuchenhäuschen.

Es dämmerte bereits als sie vor dem Haus stand. Die einbrechende Dunkelheit wurde von den hell erleuchteten Fenstern in der Straße unterbrochen. Leise schwebten einige Schneeflocken herab, kaum wahrnehmbar drang vielstimmiges Lachen und das Geräusch von klapperndem Geschirr an ihre Ohren. Ihre Augen glitten suchend über die Namen neben den Klingeln. Da war er, Hoffnung. Was für ein seltsamer Zufall, dass Lena den gleichen Nachnamen hatte wie ihr verpatztes Date. Kurz zögerte sie, bevor sie den Knopf entschlossen drückte. Kaum eine Sekunde später summte der Türöffner.

Als sie die letzte Stufe hinter sich gelassen hatte, sah sie Lena in der Tür stehen. „Tante Elli!“, strahlte sie und lief ihr entgegen. Elke wurde es warm ums Herz als das Mädchen sich an sie drückte. „Du hast da etwas vergessen“, sagte sie als sie sich auf Augenhöhe herabbeugte. „Oh danke!“, rief Lena und streckte die Hände nach dem Lebkuchenhäuschen aus. In diesem Moment hatte Elke den seltsamen Eindruck, dass Lena eine Spur zu wenig überrascht schien.

„Lena, wer ist denn da? Du sollst doch die Tür nicht einfach so aufmachen!“, erklang es aus der Wohnung. Als Elke die Stimme hörte, erstarrte sie. Das war doch nicht etwa... Sie warf nochmal einen Blick auf das Klingelschild. Da stand es, Hoffnung. Und plötzlich dämmerte es ihr.

Noch bevor sie ihren Gedanken zu Ende denken konnte, erschien eine Silhouette im hell erleuchteten Türrahmen. Herr Hoffnungs Blick veränderte sich, als er Elke sah. So seltsam es auch klingt, in diesem Moment wusste sie, dass er sie erkannte. Die Andeutung eines Lächelns war auf seinem Gesicht zu sehen. Sie erwiderte seinen Blick und in diesem Augenblick...

(Wie geht die Geschichte für Sie weiter? Schreiben Sie Ihr eigenes Ende.)