Verbindungen
Manchmal trüben Missverständnisse unser Urteilsvermögen. Dabei übersehen wir wichtige Verbindungen zu und mit unseren Mitmenschen.
Selbst wenn diese Gemeinsamkeiten nicht offensichtlich sind, sind sie deshalb nicht weniger wertvoll. Legen Sie oberflächliche Differenzen beiseite, wagen Sie einen Blick hinter die Fassade - wer weiß, vielleicht finden Sie so einen Freund, der Ihr Leben bereichert.
Elke beugte sich zu Lena hinab und blickte über ihre Schulter. "Das ist ein wirklich schönes Häuschen. Stellst Du es daheim unter den Weihnachtsbaum?" Lena, die gerade Unmengen von Zuckerguss über das Dach verteilte, erwiderte: "Eigentlich ist das ein Geschenk für Papa. Er mag zwar keine Lebkuchen, aber..", fügte sie altklug hinzu, "..Geschenke isst man ja auch nicht." Elke schmunzelte. Sie wollte schon weitergehen als Lena sie an ihrem Schürzenzipfel festhielt. "Sag mal, Tante Elli, mit wem feierst Du denn Weihnachten?"
Elke zögerte einen Moment. Sie räusperte sich. Aus einem unerfindlichen Grund hatte sie plötzlich einen Kloß im Hals. "Also mittags besuche ich meine Mutter. Aber die geht meistens früh schlafen." Sie hielt inne, dann fügte sie hastig hinzu: "Das macht ja nichts, sie ist ja schon etwas älter und früh müde. Außerdem habe ich einen wunderschönen Weihnachtsbaum daheim!" Sie schaute Lena nach dieser hinkenden Argumentation wenig überzeugt an. Die Kleine runzelte fragend die Stirn: "Hast Du denn keine Freunde?"
Elke seufzte. Warum hatten Kinder nur so ein untrügliches Gespür für wunde Punkte? "Doch natürlich habe ich Freunde, Lena. Aber die feiern mit ihrer Familie, und ich.." Sie stockte.
"Du hast nicht so viel Familie.", beendete Lena so leise, das es kaum hörbar war, den Satz. Elke sah sie erschrocken an und Lena erwiderte den Blick. In diesem Moment spürte sie, dass die Kleine sie mehr verstand als sie je gedacht hat.
Vorfreude
Vor der Freude kommt die Vorfreude. Erinnern sie sich noch daran, wie Sie es als Kind kaum erwarten konnten, bis die Tür zum Gabenraum endlich aufgemacht wurde? Man kann sich auf so viele Dinge freuen. Geben Sie sich diesem Gefühl hin und verdoppeln Sie so Ihre Freude!
"Hallo Papa!", Lena warf sich strahlend in Herrn Hoffnungs Arme. Das fröhlich plappernde Mädchen zog ihn ins Wohnzimmer und zeigte mit einer großen Geste auf den Weihnachtsbaum: "Schau, wir haben heute den Weihnachtsbaum geschmückt!". Er betrachtete die Tanne, die über und über mit Lametta und glitzernden Kugeln behängt war. Dabei musste er lächeln, die Vorfreude kleiner Kinder war wirklich ansteckend! Schmunzelnd strich er Lena über den Kopf.
Kaum hatte sie sich von ihrer Tagesmutter verabschiedet, kam sie zu ihm an den Küchentisch, diesmal mit einem bedeutend ernsteren Gesicht. Geradeheraus fragte sie ihn: "Papa, findest Du nicht, dass wir an Weihnachten ein bisschen allein sind?"
Ihm blieb der Mund offen stehen. "Aber Lena, ich hab doch Dich!", sagte er und zog sie auf seinen Schoß. Lena kuschelte sich an ihn und plötzlich lächelte sie ihn verschwörerisch an: "Papa, ich glaube, ich hab ein ganz tolles Geschenk für Dich."
Doch egal, wie sehr er sie auch löcherte, sie behielt ihr Geheimnis standhaft für sich.
