Oft sind wir uns nicht der Dinge in unserem Leben bewusst, für die wir dankbar sein können. Was stimmt Sie dankbar in ihrem Leben?
Als er sich umdrehte, stieß Herr Hoffnung den Stifthalter vom Tisch. Verärgert bückte er sich danach und verpasste sich dabei einen blauen Flecken an der Tischkante. Mit vor Schmerz tränenden Augen hielt er sich den Hinterkopf und stieß durch die zusammengebissenen Zähne einen Fluch aus. „Papa, das darf man doch nicht sagen!“, kam ein dünnes Stimmchen von der anderen Seite des Tisches. Oh nein, er schloss die Augen, für einen Moment hatte er ganz vergessen, dass Lena bei ihm im Büro saß. Was er sich zuerst ganz wunderbar ausgemalt hatte, hatte sich inzwischen zu einer echten Schnapsidee entwickelt. Eigentlich hatte er seine Tochter nur einmal mitnehmen und ihr seinen Arbeitsplatz zeigen wollen. Schließlich hatte er es in den letzten Tagen geschafft, die Stapel auf seinem Schreibtisch fast vollständig abzuarbeiten. Doch jetzt war seine Sekretärin krank und nicht nur sie, sondern mit ihr die halbe Abteilung – und das so kurz vor Weihnachten!
War sein Schreibtisch gestern noch fast leer gewesen, wusste er auf einmal nicht mehr wohin mit der ganzen Arbeit. Er warf einen besorgten Blick zu Lena, die ihm gegenüber saß und völlig versunken ein Bild malte. Am besten wäre es, wenn er sie zurück zum Kindergarten brachte, aber nicht einmal dazu hatte er die Zeit. „Lena, Schatz, geht es Dir gut?“, fragte er sie. Lena blickte mit ihren großen Augen zu ihm auf und nickte ganz selbstverständlich. Dann wandte sie sich wieder ihrem farbenfrohen Bild zu. Herr Hoffnung blickte sie einen Moment lang verwundert an, als ihm ein Gedanke durch den Kopf schoss. Womit hatte er nur so eine wundervolle Tochter verdient? Die letzten Tage waren nicht einfach für ihn gewesen. Aber für sie erst recht. Es wurde ihm bewusst, dass er wohl auch nicht besonders umgänglich gewesen war, da er permanent schlechte Laune hatte. Dieses blöde Rendezvous! Warum hatte er sich überhaupt erst auf so etwas eingelassen! Als er am Samstag vor dem Café stand, war sie weit und breit nicht zu sehen. Jeder Frau, die sich dem Café näherte, warf er einen hoffnungsvollen Blick zu. Doch keine davon war sie. Er hatte sogar eine fremde Frau angesprochen, weil er sie für Frau Mut gehalten hatte. Als ihm klar wurde, dass sie nicht die Erhoffte war, zog er sich peinlich berührt zurück. Langsam sank seine Laune, bis ihm schließlich klar wurde, dass sie nicht mehr auftauchen würde. Immer wieder hatte er versucht sie anzurufen, aber sie hob einfach nicht ab. Kurze Zeit später war „der Teilnehmer nicht erreichbar“ Sie hatte ihr Handy abgeschaltet.
Und dann, ein Hoffnungsschimmer! Ihm war fast das Morgenbrötchen im Hals stecken geblieben, als ihm beim Frühstück einfiel, dass es doch noch ein Café mit demselben Namen gab! Innerlich schimpfte er auf die Einfallslosigkeit der Gastronomen, als er noch einmal zum Handy griff. Er fasste sich ein Herz und wählte wieder ihre Nummer. Doch niemand erwiderte seinen Anruf. Das war eindeutig.
Trotz allem hatte er seine Tochter. Er betrachtete sie, wie sie sich eifrig über das Bild beugte. Wie hatte er nur die letzten Tage so grob und unerträglich sein können? Er war schließlich nur versetzt worden, eine einmalige Angelegenheit. Seine Tochter war hingegen jeden Tag bei ihm. Wie konnte er nur die wertvollen Minuten, die er mit ihr hatte, mit schlechter Laune verderben?
