Ansichtssache

Vieles ist oft ganz anders als scheint. Kommen Sie aus Ihrem Elfenbeinturm heraus und haken Sie nach. Gibt es etwas, dass Sie bis heute noch nicht geklärt haben?

„Noch ein Croissant?“, Marina schaute sie mitleidig an. Elke schreckte aus ihren Gedanken auf und schüttelte verneinend den Kopf. Ihre Freundin musterte sie: „Das geht Dir ganz schön an die Nieren, nicht wahr?“ „Ach..“, Elke setzte an, wusste aber nicht, wie sie es in Worte fassen sollte. Es stimmte, das Treffen war ein Reinfall gewesen. Zumal es ja gar nicht erst stattgefunden hatte. Versetzt zu werden, tat immer noch genauso weh wie vor zwanzig Jahren. Es war ein Wust an Gefühlen, den sie nicht so einfach bewältigen konnte. Da war zum einen die Demütigung, die sie dabei empfand. Wer bekam denn schon gerne einen Korb? Und dann noch auf diese Weise? Doch das Gefühl der Demütigung verflog meist nach einer Weile, die Enttäuschung blieb jedoch. Die Enttäuschung darüber, das eine Chance so greifbar nahe schien. Eigentlich hatte sie sich einfach auf einen schönen Nachmittagskaffee gefreut. Hätten sich ihre Wege danach getrennt, wäre es eben so gewesen. Aber wieder das Gefühl zu haben, wertvoll für einen anderen Menschen zu sein – diese Gelegenheit war ihr einfach genommen worden. Sie schüttelte den Kopf, als wollte sie die trüben Gedanken vertreiben. Ach, wahrscheinlich sah sie das momentan noch alles zu negativ.

„Mensch, Elke.“, Marina griff nach ihrer Hand und beugte sich vor. „Jetzt nimm Dir das doch nicht so zu Herzen. Da draußen ist garantiert jemand, der für Dich bestimmt ist.

Du musst einfach nur geduldig sein.“ Dann fügte sie mit einem verschmitzten Lächeln hinzu: „Der nette Mann aus meiner Bäckerei hätte Dich bestimmt nicht versetzt!“ Elke warf ihr einen wenig begeisterten Blick zu.

Nachdenklich fügte Marina hinzu: „Lustig, ich weiß nicht mal wie er heißt. Aber ich hab so ein gutes Gefühl bei diesem Menschen. Ehrlich, ich würde Euch beide einfach zu gerne mal einander vorstellen! Heute morgen war er auch wieder da.“ Sie überlegte kurz: „Wobei er da etwas seltsam war. Irgendwie ziemlich still und nicht so gesprächig wie sonst.“. „Na ja“, schloss sie ihre Überlegungen, „jeder hat mal einen schlechten Tag.“