Wir verbringen viel Zeit mit dem Warten auf andere Menschen. Nutzen Sie diese geschenkte Zeit, um sich Gedanken über das Treffen zu machen. Mit welchem Gefühl wollen Sie dem Menschen begegnen? Was erwarten Sie von dem Treffen? Und vor allem: Mit welchem Ergebnis wollen Sie das Treffen verlassen?
Elke warf einen Blick auf ihre Uhr. Hatten Sie nicht fünf Uhr ausgemacht? Gespannt schaute sie aus dem großen Fenster, an dem ständig Menschen vorbeiliefen. Die meisten von ihnen waren mit Tüten bepackt. Weihnachtseinkäufer, dachte sie und freute sich insgeheim, dass sie den Großteil ihrer Einkäufe schon erledigt hatte. Den Kindern, die hinter ihren gestressten Eltern herliefen, war davon natürlich nichts anzumerken. Mit großen Augen bewunderten sie die bunten, glitzernden Auslagen in den Fenstern und legten ihre kleine Köpfchen zurück, um einen Blick auf die Lichterketten zu erhaschen, die sich über die breiten, geschäftigen Straßen spannten.
Doch ihre Gedanken schweiften wieder zurück zu dem eigentlichen Grund, weshalb sie hier im Café saß – ihrem Rendezvous. Wie er wohl aussah? Bisher kannte sie ja nur seine Stimme. Sie konnte immer noch nicht fassen, dass sie ohne Umschweife einem Treffen zugestimmt hatte. Normalerweise sah ihr das gar nicht ähnlich. Sie hoffte nur, dass es keine falsche Entscheidung gewesen war. Was, wenn er völlig unsympathisch war? Oder noch schlimmer: was, wenn er sie unsympathisch fand? Sie seufzte, Blind Dates waren überhaupt nicht ihr Ding. Wieder warf sie einen Blick hinaus auf die Straße. Bei jedem Mann, der am Fenster des Cafés vorbeiging, überlegte sie einen Moment, ob er es sein könnte. Jedes Mal fing ihr Herz etwas schneller zu klopfen an.
Plötzlich klingelte ihr Handy. Elektrisiert griff sie danach, gut, es funktionierte also! Doch es war nur Marina, die sich nach dem Verlauf des Treffens erkundigen wollte. Innerlich amüsierte sich Elke ein wenig über sich selbst, hatte sie doch einen Moment Enttäuschung empfunden, als sie Marinas Stimme hörte. Sie fühlte sich geradezu in ihre Jugendzeit zurück versetzt. Dieses Herzklopfen! Dabei wollte sie doch nur einen Kaffee mit einer netten Person trinken. Sie gemahnte sich etwas zur Ruhe, aber es war zwecklos. Nervös warf sie erneut einen Blick auf die Uhr. Schon eine halbe Stunde Verspätung! Das war nicht gerade die feine Art. Aber möglicherweise steckte er ja im Stau. Warum nur hatte sie sich seine Nummer nicht geben lassen?
