Hören Sie auf die Menschen, die Ihnen nahe stehen. Sie wissen oft, was uns gut tut, auch wenn es im ersten Moment nicht einleuchtend scheint.
Herr Hoffnung zog die Bettdecke über Lenas Schultern. Er beugte sich nach vorne und drückte ihr einen Kuss auf die Stirn. „Papa, glaubst Du, Mama sieht uns jetzt?“, Lena schaute ihn fragend an. Er lächelte und nickte; „Ich denke schon. Mama wird uns nie vergessen.“ Lena lächelte zufrieden und schloss die Augen. Wie vertrauensvoll Kinder doch sind, dachte er mit einer leichten Traurigkeit. Wenn man einmal erwachsen war, fiel einem alles viel schwerer. Es war inzwischen schon zwei Jahre her und es fühlte sich lange nicht mehr so schlimm an wie früher, aber trotzdem war es kein angenehmer Gedanke. Er vermisste sie.
Plötzlich schlug Lena die Augen wieder auf: „Sag mal, denkst Du Mama wäre böse, wenn Du eine andere Frau kennen lernst?“ Er starrte sie wie vom Donner gerührt an. Ahnte sie etwas? Er setzte an, doch es fiel ihm schwer eine Antwort zu formulieren: „Weiß Du Lena, ich werde Deine Mama immer lieben..“ Lena unterbrach ihn ungeduldig: „Ich weiß.“ sie schwieg kurz und sagte: „Ich glaube, sie hätte nichts dagegen.“ Seine Gedanken überschlugen sich. War ihm irgendetwas rausgerutscht? Hatte er etwas erwähnt?
„Weißt du“ unterbrach Lenas Kinderstimme seine Gedankengänge, „die Tante Elli im Kindergarten, die ist richtig nett.“ Sie sah ihn erwartungsvoll an. Einen Moment lang schaute er sie überrascht an, dann dämmerte es ihm. Das gab es nicht, seine fast sechsjährige Tochter versuchte tatsächlich, ihn zu verkuppeln! Er musste so lachen, dass ihm fast die Tränen in die Augen schossen.
Lena schaute ihn an, als würde sie die Welt nicht verstehen: „Doch Papa, sie ist wirklich nett. Sie mochte sogar Deine Plätzchen!“
Auf einmal wurde er ernst. „Die Plätzchen? Aber Lena, die waren doch völlig verbrannt!Das kannst Du doch nicht machen, deine Tante Elli hält mich jetzt bestimmt für einen lausigen Vater!“
„Ach Papa, ich bin jetzt doch müde.“, sie gähnte demonstrativ und drehte sich mit einem spitzbübischen Grinsen zur Seite.
