Ein und dieselbe Sache kann angenehm oder auch unerträglich sein. Wir vergessen dabei oft, dass es bis zu einem gewissen Maß von uns selber abhängt. Überprüfen Sie Ihren Standpunkt, mit welcher Einstellung gehen Sie an etwas heran?
Elke drückte ihren Rücken durch und richtete ihren Blick nach oben. Unter ihren Händen spürte sie die weiche Gymnastikmatte, sanfte, mediterrane Klänge unterstrichen die ruhige Atmosphäre. Im Hintergrund hörte sie die beruhigende, leise Stimme der Kursleiterin.
Im Gegensatz zu der Ruhe um sie herum, schossen ihr viele Gedanken gleichzeitig durch den Kopf. Zum Einen musste sie ständig an das Gespräch mit Herr Hoffnung denken. Warum nur konnten nicht alle Telefongespräche so angenehm sein? Sie wusste nicht warum, aber diese Stimme ging ihr einfach nicht aus dem Kopf. Gelegentlich half sie ehrenamtlich bei den Veranstaltern dieser Kurse aus und diesmal hatte sie der Telefondienst getroffen, von dem sie normalerweise wenig begeistert war. Es handelte sich um eine recht langweilige Angelegenheit mit noch langweiligeren Gesprächspartnern. Doch diesmal war es anders gewesen. Stopp, dachte sie, du hörst Dich ja an wie ein Teenager. Eine Stimme sagt noch gar nichts über den Menschen aus. Vielleicht war er ja überhaupt nicht ihr Typ. Aber warum musste sie dann ständig daran denken? Außerdem hatte sie gerade ganz andere Sorgen.
Heute morgen hatte sie zwei Briefe von Cousin, ihrem Mobilfunkanbieter erhalten. Es war äußerst mysteriös, denn in dem einen wurde ihr der Eingang ihrer Bankdaten bestätigt, der andere war hingegen eine erneute Mahnung. Beide Briefe waren auf denselben Tag datiert. So langsam verstand sie nicht mehr, worum es ging. Nicht, dass sie es schon davor verstanden hätte.
Das Gespräch mit dem Berater war wenig ergiebig gewesen. Wieder die gleichen verworrenen Erklärungen, die sie nicht verstand. Sie hatte das Gefühl, dass man diesem Menschen einfach nicht mit logischen Argumenten beikommen konnte.
Erschrocken zuckte Elke zusammen, als sie eine Hand auf ihrer Schulter spürte. Sie riss die Augen auf und wusste einen Moment nicht, wo sie sich befand, als sie die Kursleiterin erkannte. Mit einem tadelnden Blick sagte sie: „Drücken Sie Ihren Rücken nicht so durch. Sie müssen Ihren Stand überprüfen, sonst bekommen Sie nur Rückenschmerzen.“
Nachdenklich blieb Elke zurück. Sie legte den Kopf auf die Matte und entspannte ihren Rücken. Die Worte der Leiterin hatten ihr einen Denkanstoß gegeben – vielleicht war es wirklich nur die Einstellung, auf die es ankam. Manchmal verkrampft man sich einfach und bekommt dann mentale Rückenschmerzen, dachte sie. Möglicherweise würde sich dieses Problem mit Cousin in Wohlgefallen auflösen. Dann hatte sie sich nur umsonst den Kopf zerbrochen, das war es doch nicht wert.
Sie hob den Kopf und richtete sich wieder auf. Diesmal aber wesentlich vorsichtiger.
