Wunderbar

Gutes kommt oft unerwartet. Halten Sie inne und genießen Sie diese Augenblicke!

Herr Hoffnung rieb sich an den Schläfen. Was ihm so Sorgen bereitete, war sein Terminkalender, der aufgeschlagen vor ihm lag. Letzte Woche hatte er es endlich geschafft, sich für einen Kochkurs anzumelden und jetzt stellte er gerade fest, dass er an dem Termin nicht konnte. Zu dumm, seine Sekretärin konnte er nicht beauftragen, für ihn abzusagen, obwohl er es am liebsten getan hätte. Er wusste doch, wie so etwas lief, gerade in der Vorweihnachtszeit, wenn die Kurse sowieso zum Bersten voll waren. Wenn er daran zurück dachte, wie viel Glück er überhaupt gehabt hatte, in den Kurs zu kommen. Eigentlich war der Kurs bei dem stadtbekannten Koch schon voll besetzt gewesen und so hatte er all seinen Charme einsetzen müssen, um sich doch noch einen Platz zu ergattern. Dafür war jemand anderes auf die Warteliste verschoben worden. Es war wirklich peinlich, nach so einer Aktion abzusagen. Aber was blieb ihm denn anderes übrig?
Die Reaktion konnte er sich nur zu gut vorstellen. Hatte er nicht schon tausende solcher Gespräche geführt? Reklamationen, Rückgaben – da konnte man sich direkt beschweren, die Reaktion war immer die gleiche. Es würde wahrscheinlich ein ewiges Hin und Her geben, bei dem er zum Schluss für den Kurs bezahlen müsste.
Was soll's, dachte er und griff zum Hörer. „Hallo, Mut am Apparat, wie kann ich Ihnen helfen?“ Er zog überrascht eine Augenbraue hoch. Mit so einer angenehmen Stimme hatte er nicht gerechnet. Doch zurück zu seinem Anliegen. „Ich habe da einen Termin für den Kochkurs morgen und leider habe ich gerade festgestellt, dass ich zu dieser Zeit doch nicht kann...“
Die freundliche Antwort kam unverzüglich: „Kein Problem, möchten Sie einen neuen Termin oder den Kurs ganz stornieren?“
Er stutzte. Er wartete einen Moment, doch es kam nichts mehr: „Ja, geht das denn so einfach? Natürlich würde ich gerne einen neuen Termin bekommen, aber ich dachte, der Kurs wäre bis ins neue Jahr völlig ausgebucht.“ Sie lachte fröhlich: „Aber nein, wir bekommen Sie schon irgendwo unter! Es ist ja schließlich bald Weihnachten, nicht wahr?“ Er war noch verwirrter als vorher. Er hatte nicht damit gerechnet, dass es so reibungslos ablaufen würde. „Darf ich Sie etwas fragen?“, setzte er an, „Warum sind Sie denn so freundlich? Ich meine, Sie schulden mir ja nun wirklich nichts und ehrlich gesagt, habe ich nicht damit gerechnet, dass das Ganze hier so einfach ist.“ Einen Moment lang war die Leitung still. „Wissen Sie“, kam es nun von der anderen Seite, „so wie es zum Wald hinein schallt, schallt es auch hinaus. Das ist einfach wahr. Außerdem ist bald Weihnachten. Ehrlich, wir haben doch sowieso genug Stress in dieser Zeit. Ich finde das schade, denn eigentlich ist Weihnachten und die Wochen davor, dazu da, sich auf sich selbst zu besinnen. Auf die Menschen, die wir mögen.“
An dieser Stelle meinte er sich an etwas zu erinnern, aber er wusste nicht was. Irritiert runzelte er die Stirn. Die Stimme kam ihm seltsam bekannt vor. Er räusperte sich. „Also, ähm, danke für Ihre Freundlichkeit. Ich melde mich noch einmal.“ Dann legte er auf. Er starrte das Telefon an. Was hatte er da eben gesagt? Ich melde mich nochmal. Er schlug sich gegen die Stirn und stöhnte auf. Irgendetwas hatte ihn für einen Moment gefangen genommen.
Egal, er wandte sich ab und setzte seine Arbeit fort. Aber den ganzen Tag über musste er an die Stimme denken, die ihn so verzaubert hatte.