Mut bedeutet nach oben zu schauen. Machen Sie sich frei, von allem, was sie zu Boden drückt und richten sie ihren Blick nach oben – worauf es ankommt, ist die Einstellung.
Es war ein unglaublich schöner Morgen. Frau Mut legte den Nacken in den Kopf und betrachtete den strahlend blauen Himmel. Sie sog die kalte, klare Luft ein. Erst jetzt fiel ihr auf, dass man gar nicht anders konnte, wenn man nach oben blickte. Man holte dabei automatisch Luft. Sie drückte die Klingel. Wie jeden zweiten Sonntag war sie bei Marina zum Brunch eingeladen, es war irgendwann zu einem festen Ritual geworden, auf das sie sich schon Tage vorher freute.
Es sah toll aus, wie immer. Marina hatte als Bäckerin ein Händchen für leckere Croissants und ein Auge für ein ansprechendes Arrangement. Frau Hoffnung lief das Wasser im Mund zusammen, als sie den gedeckten Tisch sah. Marina sah sie erwartungsvoll über ihren dampfenden Kaffeebecher hin an: „Na Elke , was gibt es Neues?“ Dabei zwinkerte sie verschmitzt. Die Angesprochene schüttelte den Kopf: „Gar nichts gibt es da zu berichten, du weißt doch..“ Doch sie wurde mitten im Satz unterbrochen: „Ich bin immer noch der Meinung, dass Du den netten Mann aus meiner Bäckerei kennen lernen solltest. Ehrlich, ich hab da so ein Gefühl..“ Jetzt war sie es, die von Elke unterbrochen wurde: „Nein, definitiv nicht!“, sie schüttelte energisch den Kopf, „Auf neue Enttäuschungen habe ich gerade überhaupt keine Lust.“ Marina ließ einfach nicht locker. Schon seit einigen Wochen schwärmte sie ihr von diesem Kerl vor. Doch diesmal schien sie zu bemerken, dass sie auf taube Ohren stieß. „Okay, okay, ich habe es ja schon verstanden.“, Marina stellte ihre Tasse ab und sie wechselten das Thema.
Einige Croissants später erzählte Elke von dem Film, den sie erst gestern gesehen hatte: „..diese Frau*! Du glaubst es nicht, ich saß im Kino und bin wirklich ins Grübeln gekommen. Weißt Du, wir überlegen zehn Mal hin und her, ob wir etwas Mutiges machen sollen und dabei fallen uns dann zehntausend Gründe ein, die dagegen sprechen. Und im Endeffekt lassen wir es dann bleiben. Sie hingegen hat wirklich Unglaubliches durchgemacht und dabei trotzdem immer nur nach vorne geschaut. Oder besser gesagt, nach oben.“ Einen Moment lang schwiegen beide nachdenklich. Da brach Elke das Schweigen mit einem leisen Lachen: „Aber weißt du, was wirklich unglaublich war? Da saß Einer vor mir, der einfach geschlafen hat. Wie kann man nur bei so einem Film einschlafen? Männer!“ Sie verdrehte die Augen theatralisch und beide lachten.
* „Die Päpstin“, ein Film von Sönke Wortmann
