Zuspruch

Lob tut uns gut. Dadurch fühlen wir uns wertvoller und werden angespornt. Überlegen Sie, wem Sie heute ein Lob aussprechen könnten!

Endlich Freitag. Endlich Feierabend. So sehr Frau Mut ihre Zöglinge im Kindergarten auch mochte, nach dieser Woche war sie froh, heimzukommen und für zwei Tage auszuspannen. Es war alles andere als einfach gewesen, neue Kinder, die aufwändigen Weihnachtsbasteleien und nicht zuletzt die nervige Streiterei mit Cousin, ihrem Mobilfunkanbieter. Inzwischen hatte sie eine regelrechte Antipathie gegen ihren Berater entwickelt. Sie fühlte sich keineswegs gut beraten – doch was sie auch machte, sie landete immer wieder bei ihm. Es war wie verhext. Immerhin hatte sie ihre Bankdaten jetzt schriftlich zugeschickt, damit sollte das Problem bis nächste Woche endgültig geklärt sein.
Na endlich, eine Parklücke. Frau Mut setzt rückwärts hinein, da ertönte von hinten plötzlich ein gellender Schrei. Erschrocken trat sie auf die Bremse und drehte sich um. Ihr entwich ein genervter Seufzer als sie sah, dass es ihre unausstehliche Nachbarin war, die wie immer versuchte, ihre Katze vor allem was sich bewegte, zu schützen. Die Katze juckte das natürlich wenig, sie stolzierte gelassen und mit hoch erhobenem Schwanz über die Straße. Frau Mut floh vor ihrer schimpfenden Nachbarin ins Treppenhaus – und rannte direkt in die Arme des Hausmeisters. Der erwartete sie schon mit einem finsteren Gesicht, das sie nichts Gutes ahnen ließ. Mit verschränkten Armen herrschte er sie an: „Frau Mut, ich habe es ihnen schon so oft gesagt, dass dieser Fußabtreter nicht nur Dekoration ist! Und ihr vertrocknetes Gemüse können Sei auch gleich entsorgen!“ Eine Entschuldigung vor sich hinmurmelnd, wich sie ihm aus und lief schnell die Treppe hoch. Gemüse, pah! Der gute Mann hatte ja keine Ahnung offensichtlich keine Ahnung von Pflanzen. Mit Bedauern sah sie auf den vertrockneten Basilikum runter, der zwischen den anderen Pflanzen im Hausflur vor sich hindarbte. Basilikum wollte bei ihr einfach nicht gedeihen. Aus irgendeinem Grund hatte sie gedacht, das Flurklima würde das vielleicht ändern. Sie nahm den Topf hoch und kramte ihren Schlüssel heraus. Diesen Tag hatte sie endgültig satt.

Kaum hatte sie ihre Wohnung betreten, warf sie ihre Jacke über den Garderobenständer und sich selbst auf das Sofa. Einfach nur einmal die Augen zumachen, mehr wollte sie jetzt nicht.
Pling. Eine Mail. Nein, sie wollte doch nicht aufstehen... Entschlossen drückte Frau Mut die Augen noch fester zu. Ein erneutes Pling. Noch eine Mail. Es half nichts, sie musste nachschauen, am Ende ging es noch um ihr Handy.
Mit einem leisen Seufzer bewegte Frau Mut die Maus. Der Monitor leuchtete auf. Aber was war das? Ein Gästebucheintrag bei ihrer Koch-Community. Ein Gästebrucheintrag und ganze fünf Sterne. Das war doch was. Frau Mut lächelte als sie den Eintrag las – ihr Fan hatte offensichtlich die Gans anbrennen lassen, aber sie hatte trotzdem immer noch hervorragend geschmeckt.Sie mochte zwar keinen grünen Daumen haben, aber dafür ein Händchen fürs Kochen. Frau Mut ging wieder zurück zum Sofa, aber diesmal mit einem Lächeln auf den Lippen.