Egal, welche Probleme Sie beschäftigen – verlieren Sie nie die kleinen Dinge aus den Augen, die das Leben schöner machen. Mit einer positiven Einstellung lässt sich auch das schwerste Problem leichter ertragen.
Frau Mut saß gedankenverloren in der Leseecke des Kindergartens als sie von der Seite angestupst wurde. „Lies doch weiter“, sagte Lena zu ihr. Frau Mut schreckte auf – sie war während des Vorlesens in ihre Gedanken versunken. Derzeit hatte sie wirklich genug Stoff zum Nachdenken. Erst diesen Morgen hatte sie einen Brief von ihrem Mobilfunkanbieter erhalten, der sie dazu aufforderte, ihre korrekten Bankdaten anzugeben, da ihre Nummer sonst gesperrt werden würde. Frau Mut verstand die Welt nicht mehr. Das Unternehmen hatte doch schon mehrere Monate problemlos die Vertragsgebühren von ihrem Konto eingezogen, ohne dass es auch nur das kleinste Problem gegeben hatte. Also hatte sie schon am frühen Morgen versucht, einen Berater zu erreichen, aber die Leitungen waren, wie konnte es auch anders sein, die ganze Zeit über belegt gewesen. Nachdem sie den ganzen Vormittag überlegt hatte, wo denn nun das Problem lag, hatte sie in der Kaffeepause endlich jemandem am Telefon. Ihr blieb der Mund offen stehen als sie die Argumentation des Beraters hörte. Laut ihm war sie schon seit zwei Zahlungen im Verzug, weil sie angeblich die falschen Kontodaten angegeben hatte.
„Hören Sie, das kann doch überhaupt nicht sein! Ich bin mir sicher, sie verwechseln mich.“, versuchte sie ihn zu unterbrechen, doch sie stieß auf taube Ohren. Das Gespräch lief darauf hinaus, dass ihr noch zwei Wochen verblieben bis ihre Nummer gesperrt werden würde. Natürlich konnte sie die Bankdaten nur schriftlich einsenden. Frau Mut kochte vor Wut. Auf ihr Handy konnte sie wirklich nicht verzichten, sie hatte es immer bei sich, damit ihre Mutter sie jederzeit anrufen konnte. Sie war ja nun nicht mehr die Jüngste und es konnte jeden Moment etwas passieren.
„Ja, Lena, weißt Du, ich habe Erwachsenenprobleme.“, sagte sie zu der Kleinen. „Es hat etwas mit meinem Handy zu tun.“ „Oh, das kenne ich“, erwiderte Lena, „mein Papa ärgert sich da auch immer.“ Plötzlich deutete sie aufgeregt auf das Fenster: „Schau, Tante Elli, es schneit!“ In Sekundenschnelle war sie am Fenster und presste ihr Näschen gegen die Scheibe. Frau Mut folgte ihrem Blick und tatsächlich, da schwebten sanft ein paar weiße Flocken vom grauen Himmel. Für einen Moment vergaß sie ihr Handy und das unangenehme Gespräch und fühlte sich wieder in ihre Kindheit zurückversetzt. So lange sie zurückdenken konnte, hatten die ersten Schneeflocken immer etwas magisches an sich gehabt. Ihr Herz fühlte sich plötzlich ein Stück leichter an. Sie legte das Buch zur Seite und gesellte sich zu der ausgelassenen Kindermeute, die sich lachend um das Fenster scharte.
