Manchmal muss man kleine Dinge, die einen stören, einfach bei der Wurzel packen und herausziehen. Möglicherweise tut es kurz weh, aber danach werden Sie sich garantiert besser fühlen.
Die Geschichte von Frau Mut und Herrn Hoffnung
Frau Mut öffnete verschlafen ein Auge. Dienstag. Sie seufzte. Dienstag, das bedeutete ein Zahnarztbesuch, den sie schon lange Zeit vor sich hergeschoben hatte. Zuerst sollte es nur ein Kontrollbesuch werden, den sie immer wieder verlegt hatte, aber seit einer Woche hatte sich ein unangenehmer Schmerz in ihrem Kiefer breit gemacht, der sich nicht mehr ignorieren ließ. Auch jetzt pochte es wieder dumpf in ihrer Wange und sie verzog das Gesicht vor Schmerzen. Es half nichts, sie musste heute hingehen.
Im Wartezimmer saß nur ein Mann, den sie flüchtig mit einem Blick streifte. Groß, dunkelhaarig, unscheinbar. Ihr Mund fühlte sich inzwischen an, als würde er mit glühenden Nadeln traktiert werden. Sie konnte sich kaum auf die Zeitschrift in ihren Händen konzentrieren, die Wörter verschwammen ihr vor den Augen.
Endlich wurde sie aufgerufen. Komisch, die ganze Zeit hatte sie sich gegen diesen Termin gewehrt und plötzlich erschien ihr die Zahnarzthelferin, die vorausging, wie ein rettender Engel. Mit einem unbehaglichen Gefühl betrachtete sie den großen grünen Behandlungssessel, der den Raum voll spitzer Gegenstände beherrschte. Sie sah sich um: Spritzen, Bohrer, Pinzetten - nichts davon versprach einen angenehmen Aufenthalt in diesem Zimmer. "Guten Tag, Frau Mut!", ertönte da eine dröhnende Stimme hinter ihr. Den Bruchteil einer Sekunde kniff sie die Augen zusammen, doch dann holte sie tief Luft und drehte sich um.
Eine knappe Stunde später ließ Frau Mut die Tür zur Arztpraxis hinter sich in Schloss fallen. Sie fasste sich vorsichtig an die Wange. Erleichtert atmete sie aus, der Schmerz war weg! Sie öffnete die Eingangstür und trat hinaus auf die belebte, bunte Straße.
